Diese kleinen Geschäfte, auf dem Weg Richtung Mexico Square, werden wohl bald verschwunden sein,
so wie hier. Nein, das ist kein Kriegsgebiet, hier hat kein Häuserkampf stattgefunden, hier wird bald etwas "Schönes" gebaut werden. Wir dürfen gespannt sein...
ditto ...
Und hier die Gegenrichtung, also vom Mexiko Square Richtung National Theatre, schöne neue Welt.
Montag, 28.11.2011
Heute ein paar Eindrücke um aus meiner Nachbarschaft, um mein Haus, den Compound herum. Alles in etwa zehn bis dreißig Gehminuten entfernt. Kommt doch einfach mit auf diesen Spaziergang ...
Morgens, oder besser um die hiesige Mittagszeit ging ich los, Kamera geschultert, um mir eine Telefonkarte zu kaufen. Hier in Äthiopien muss man das Mobiltelefon immer wieder nachladen. Dies gilt auch für den Internetanschluss, der über das selbe Telefonnetz funktioniert. Also, dann mal los, auf zum Souk:
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| Pflanze am Wegesrand |
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| In diesem gut sortierten Souk an der Brücke kaufe ich meine Telefonkarten. |
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| Und natürlich ist auch dieser Souk ein Familienbetrieb. |
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| Zwei durch die Straßen ziehende Plastikbehälterverkäufer. Welch schönes Wort;-) |
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| Dieser junge Mann wollte unbedingt fotografiert werden. Was wir nicht sehen ist, dass er mit den Füßen in einem Waschbottich Wäsche tritt. |
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| Der Kebena Fluß. |
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| Disteln am Wegesrand, |
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| Blick von der Brücke. |
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| Zwei nette Herren, die gerade von einem Mittagsumtrunk kommen. |
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| Und hier das Tallabet dazu. Talla= selbst gebrautes Bier. Bet=Haus. |
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| Mein netter Freund vom Musicabet. |
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| Drei Freunde . |
Ja, das war dann mein Morgenspaziergang gewesen. Der Souk ist hier so wie in Deutschland der "Tante Emma Laden", der kleine Laden um die Ecke. Es gibt hier eigentlich alles, was man so zum täglichen Lebensbedarf braucht, von Apfeltabak für die Shisha bis zu Zitronenseife. Reis, Toilettenpapier, Kosmetikartikel, Nudeln, Offenware, verpackte Waren, alles. Naja fast, Früchte gibt es gegenüber, Gemüse auch und Fleisch ein paar hundert Meter weiter.
Die zwei Herren, die ich dann unterwegs traf, forderten mich auf sie unbedingt zu fotografieren. Die Bilder werde ich dann im Tallabet abgeben. Das ist auch interessant hier, die Dame auf dem Bild vorne rechts, ist die Betreiberin. Entstanden ist ihre kleine Kneipe aus einem einfachen Gemüsestand, wo sie Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch auf einer Folie auf dem Boden ausgebreitet, verkaufte. Substiuionswirtschaft, eine typische Erscheinung hier in Äthiopien. Naja, und dann musste ich eben auch noch Fotos innen machen. Die werde ich dann auch diese Woche noch vorbeibringen. Und, die Dame hat sich in der Zwischenzeit eine relativ gut reflektierte kleine Kneipe aufgebaut, in und vor der sie noch Injera und Gemüse verkauft.
Hoffentlich muss ich dort kein Talla trinken. Das ist ein selbstgebrautes Bier, von vielen Äthiopiern (steht hier für beide Geschlechter) geliebt und ein Standardgetränk, neben Tej, dem Honigwein und Whisky, auf Familienfeiern. Mir hat es bisher immer widerstrebt.
Der junge Herr hat einen kleinen Musikshop und DVD-Verleih. Nebenbei unterhält er tage- oder stundenweise die Nachbarschaft mit dröhnender Musik aus seiner Metallbude. Manchmal etwas nervenaufreibend, manchmal schön, manchmal höre ich es gar nicht mehr. Auf jeden Fall eine große Konkurrenz an Lautstärke zu den Priestern der orthodoxen Kirche. Die singen manchmal - natürlich verstärkt - die ganze Nacht, oder starten morgens um fünf, oder den ganzen Tag hindurch.
Und, wie oben schon angemerkt, Kirchen gibt es hier ziemlich viele.
Dem kurzen Morgenspaziergang folgte dann noch ein etwas ausgedehnterer Abendspaziergang, kommt doch einfach mit:
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| Blick gen Nordwesten, auf Bela/ Ferensai, einen wunderbar grünen Stadtteil. |
Der Rauch der Feuer steigt aus den Häusern auf, es riecht nach Bunna, nach Eukalyptusholz und Kohle. Aus den Kneipen kommt einem die alkohlgeschwängerte Luft entgegen. Sonntag ist traditionell der Tag, an dem man auf ein Bier, einen Tej, einen Umtrunk eben in die Bierkneipe geht, sich mit Freunden trifft, und ...
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| Wasser- und Abwasserrinne |
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| Blick in's Grüne, langsam verschwindet das Licht, der Rauch färbt die Luft. |
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| Gasse durch Häuserreihen in Richtung Schule. Hier eine, die bis zur achten Klasse führt. |
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| Fluss, trockengefallen. |
Der Fluss führt, es ist am ausgewaschenen Flussbett und den begrünten Uferrändern zu sehen, während der Regenzeit unglaubliche Wassermassen. Jetzt beeindruckt er vor allem durch die tollen Basaltkiesel und Erosionsstrukturen der anderen Felsgesteine.
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| Bierkneipe |
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| St Georgis |
Die Bierkneipen sind wirkliche Bierkneipen. Auch wenn diese sich hier Jerry Cafe nennt, so ist dieser Titel nicht ganz ernst zu nehmen. Es gibt nämlich nur frischgezapftes Bier, sehr lecker, oder Ambo, ein herrliches Mineralwasser. Ansonsten vielleicht noch Laslassa, also Limonaden, aber Kaffee ... wie kommen Sie denn auf diese Idee??? Absurd...
Dafür sind die Fleischgerichte, meist Kurzgebratenes mit frischem Fleisch aus der Metzgerei um die Ecke, in solchen Kaffees, Kneipen, Restaurants oder Hotels, und wie sie sich auch immer nennen, am Straßenrand, köstlich.
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| Fleisch, frisch geschnitten. |
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| So sieht es aus, das SigaBet am Abend. |
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| Hier wird mit Bedacht gearbeitet. |
In solchen Sigabets - Fleischhäusern- gibt es außerhalb der Fastenzeit jede Menge Fleisch. Meist hängen hier Rindfleischviertel, die in der Nacht angeliefert, am nächsten Tag verkauft werden. Oft gehört dazu noch ein Restaurant, wo das Fleisch direkt - roh als eine Art Tartar, oder in verschiedenen Versionen gebraten und mit scharfen Gewürzen, Berbere und Mitmita, verfeinert und gereicht, - verzehrt wird. Zum Herunterspülen gibt es entweder Bier oder bei rohem Fleisch Rotwein.
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| Tsougurbet - ein Haarsalon |
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| Behausungen |
Diese Sammlung von Müllsäcken und anderen Plastikgegenständen sind - leider keine Müllhaufen, die am nächsten Tag eingesammelt werden - sondern Behausungen von Menschen, die hier auf der Brücke leben. Man findet solche Hütten öfter. Wenn es dann zuviel werden, werden sie von den Behörden einfach weggeräumt, oder die Menschen auf LKWs verladen, aus der Stadt gebracht und die Plastikbehausungen abgefackelt.
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| Zwei Souks, zur rechten mit Kosmetika,zur Linken mit Obst und Gemüse. |
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| Europa lässt grüßen, Verfalldatum 2011. |
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| Der Eingang -Meg'bia- zum Menelikhospital ist weiter rechts. |
So, ich hoffe Euch hat der gestrige Abendspaziergang gefallen. Jetzt ist erst einmal Feierabend für heute. Hier ist es jetzt auch schon 9.23p.m., also einige Stunden später als in Mitteleuropa. In diesem Sinne, bis bald ...
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Wohin soll ich gehen? Wegweiser an der Mariyam Kirche
auf dem Entoto. Entoto Terrara.entoto |
Sonntag, 4. Dezember 2011
Heute ist wohl der zweite Advent, glaube ich. Vielleicht ist es wirklich so, dass ich mich schon ziemlich weit von der christlich-europäischen Kultur verabschiedet habe. Seit ich hier in diesem Land lebe, denke ich oft darüber nach, was uns denn eigentlich so sehr voneinander unterscheidet. Und, so langsam komme ich für mich zu dem Schluss, dass es weniger die Unterschiede sind, die dafür sorgen, dass sich Kulturen und Religionen und Menschen und Ideologien unverständig gegenüberstehen. Es sind wohl eher die Ähnlichkeiten. Dummheiten sind dazu da, gemacht zu werden, Dummheit vergeht nicht, Dummheit stirbt nicht aus. Dies scheint wohl auf dem ganzen Planeten nirgendwo halt zu machen. Ich erlebe das hier immer wieder.
Überheblichkeit
Und oft geht diese Dummheit einher mit Überheblichkeit, und einer Art von Arroganz, die das eigene Unvermögen zu kaschieren sucht. Nur keine Fehler zugeben. Wir sind die besseren.
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| EthiopianAirlinesPlane |
Mit welcher Überheblichkeit viele Weißnasen hier her kommen, ich schließe mich da gerne ein, und meinen sie müssten hier alles verändern. Alles. Denn ihre Erkenntnis ist, sobald sie den Flugplatz betreten: Hier ist alles Entwicklungsland, hier ist alles anders, hier genügt alles irgendwelchen Standards aber die euro-angloamerikanisch-asiatischen bleiben natürlich unerfüllt. Es sei dreckig. Die Menschen seien ungebildet. Die Ernährung sei unzureichend. Die Menschen seien faul. Die Äthiopier wollten eine ruhige Kugel schieben, bloß keine Arbeit. Solange der Bettler noch gesunde Arme und Füße habe, könne er auch arbeiten ...
Dies sind nur einige Aussagen, die immer wieder gemacht werden. Auch deswegen ist es Zeit für mich zu gehen. Ich weiß ja nicht, wer in Europa die Auswahl trifft, und da frage ich mich bei Kirchenmenschen wie bei Baufachleuten, wie bei pädagogischen Fachleuten, wie bei ... , meist Menschen, die sich, statt sich auf die Widersprüche einzulassen, einigeln; in ihrem Kokon meinen in Äthiopien zu sein und alles zu wissen. Meiner Ansicht kommen zu viele mit vorgefassten Meinungen hierher und verlassen das Land genauso. Und wissen dann alles über Äthiopien und die Äthiopier. Mit manchen Menschen möchte ich einfach nicht privat zu tun haben und, wenn ich manche Ansichten über Land und Leute hier höre, dann wird mir übel. Und ich hoffe es geht anderen genauso. Und ich hoffe, dass es anderen umgekehrt bei mir ebenso geht. Würde mich ehren.
Die, die das Land hier mögen, seine Menschen, deren Leben und Kultur akzeptieren und kennenlernen möchten, diejenigen, die bereit sind, sich auf einen der hiesigen Standards zu begeben und - eben nicht herablassend darauf zu schauen, diese Menschen haben hier tolle Erlebnisse. Es sind dann aber auch diese Menschen, die oft ihre Verträge nicht verlängern, oder oft die Organisation wechseln, oftmals an der Überheblichkeit ihrer Mit-Weißnasen zerbrechen.
Dazu auch: Grill, Bartolomäus:
Ach Afrika: Berichte aus dem Inneren eines Kontinents. Goldmann, 2005. Polman, Linda:
Die Mitleidsindustrie. Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen. Campus 2010.
Und ein Buch, dass jede, jeder der in einer der Hilfs- und Entwicklungsorganisationen arbeitet, meiner Ansicht nach gelesen haben sollte (danke, Sabine): Dörner, Dietrich:
Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. rororo.2003.
Widersprüche
Oh ja, ich habe gelernt, mit Widersprüchen zu leben. Widersprüche, die allgegenwärtig sind, denen man sich unmöglich verschließen kann ... außer man hat seine große, allzeit klimatisierte Allradkarosse mit abgedunkelten Scheiben, damit die Realität schön draußen bleibt. Vor meinem Eingang sitzt tagtäglich, außer an den Wochenende ein Mann; ein Mann der sein Bein für sein Vaterland verlor. Nun verdient er seinen Lebensunterhalt damit, dass die Menschen auf dem Weg zur Arbeit morgens an ihm vorbeigehen und etwas Kleingeld bei ihm liegenlassen. Und, er ist hier in der Umgebung ein angesehener Mensch, den manche befragen, wenn sie Probleme haben, wenn sie Arbeit suchen, wenn sie einen Rat brauchen.
Auf der anderen Seite dann die Protzbauten der neureichen oder reichen Äthiopier, die Geld wie Heu haben. Sie fahren dicke Autos und machen tolle Urlaube und stellen sich ständig dar. Trotzdem geht es. dass diese verschiedenen Gesellschaften, mit vielen vielen weiteren Schattierungen, nebeneinander her leben.
Und ich denke mal, viele meiner Mit-Weißnasen leben hier, gehen zur Arbeit, retten das Land oder das Bauwesen, oder ich weiß nicht was und haben trotzdem noch nie kennengelernt, was es eigentlich heißt, in Äthiopien zu leben. Sie kommen hierher, bleiben ein paar Jahre, verdienen Unsummen von Geld, auf Steuerzahlers Kosten, gehen ... und was bleibt? Da frage ich bei vielen, was bei ihnen selbst bleibt, weniger, was in Äthiopien von ihnen zurückbleibt.
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Meseret verkauft nach der Schule seit
Jahren hausgemachte Korbwaren. Ich besuche sie ab und an.
Oberhalb von Debre Libanos am Parkplatz mit Aussicht auf's Niltal. |
Naja, auf jeden Fall gibt die Entwicklungshilfe einen Haufen Arbeit ... vor allem für die Retternationen, nicht wahr?
Hier auch interessant zu lesen: Easterley, William:
Wir retten die Welt zu Tode. Für ein professionelles Management im Kampf gegen die Armut. Campus 2006.
Auf der anderen Seite Menschen, die hier leben.
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| Ein "Gesicht" der Armut? |
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| Richtung DebreLibanos |
Leben, das heißt: mit Äthiopiern zu tun haben. Merken, dass es den Äthiopier nicht gibt. Dass dies ein Staat ist, mit einer langen Geschichte zwar für Teile seiner jetzigen Gebiete, aber auch vieles aus Mangel an Fakten verklärt wird.
Äthiopien: ein Land, das aus über 70 Ethnien besteht in dem mehrere Sprachen gesprochen werden. Amharisch ist die Amtssprache, aus langer innerkolonialer Imperialtradition. Die Oromo sind der bevölkerungsreichste "Stamm" des Landes mit relativ geringem Ansehen bei vielen Amharen und Tigray, die schon seit langer Zeit die Herrschaftskaste hier bilden (de.wikipedia.org/wiki/äthiopien). Dabei sind die Oromo in Afrika die weitaus größte Ethnie und ihre Sprache ist mit etwa 25 Millionen Sprecherinnen und Sprechern die am weitesten verbreitet (kuschitische) Sprache in Äthiopien und dem Norden Kenias
oromiffa. Eine nette Anekdote dazu: Unter dem "König der Könige", Haile Selassie, war es den Oromo verboten, ihre Sprache zu sprechen, zu schreiben, sprich ihnen sollte auch diese Identität genommen werden, wo sie doch sonst schon zu nichts anderem da waren, als zu dienen oder um als Sklaven verkauft zu werden. Erst 1991 bekamen sie ihre eigene Schrift mit lateinischen Buchstaben. Es gibt kaum ein besseres innerafrikanisches Beispiel für Kolonisation. Die Äthiopier brauchten keine Kolonisation von außen, sie haben sich selbst kolonisiert. Die Geschichte dieser Gegend am Horn von Afrika ist eine Perlenkette von Kriegen, Unterwerfungen und Giftmorden ... Macht es aber spannend und verspricht spannend zu bleiben. Zum König der Könige und seiner Regierungszeit auch: Kapuscinski, Ryszard:
König der Könige. Eine Parabel der Macht. Piper 2009, ein sehr aufschlussreiches und meiner Beobachtung nach in vielen Bereichen, welche Macht und -interessen betreffen, auf jeden Fall immer noch gültiges Buch.
kapuscinski, ryszard
Und, noch eine "Ironie": die Hauptstadt Addis Abeba, die neue Blume, das amharisch-tigriniasche Regierungszentrum, blüht inmitten der Oromiia-Region;-).
Äthiopischer Frühling
In diesem Jahr hatte ich mich manchmal auch schon gefragt, ob es hier, wie auch im Norden Afrikas vielleicht zu einer Volkserhebung und einem äthiopischen Frühling kommen könnte. Es gibt viele Menschen, die politische Unzufriedenheit halböffentlich äußern. Trotzdem war nichts dergleichen zu sehen. Keine Aufmärsche. Keine Plakataktionen.
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| Taitus Kirche auf dem Entoto 1883-1889? Entoto Mariyam |
Warum? In anderen Ländern sind die Polizei, die Armee, der Staatsschutz, die Federal Police auch onmipräsent, und trotzdem ist Lybien, ist Ägypten, ist Tunesien "passiert". Vielleicht ist hier die Unzufriedenheit nicht groß genug. Vielleicht liegt es aber auch an dem großen Einfluss, den die orthodoxe Kirche auf die Menschen hat, wo die Hälfte des Jahres Feiertage sind, wo viele stunden-, ja nächtelang in die Kirchen gehen, um an der Andacht teilzuhaben. Und diese Kirche predigt die Erde als Jammertal, eine Zwischenstation nur auf dem Weg zum himmlischen Paradies. Wobei hier auch Obrigkeitshörigkeit mit dazu gehört. Fatalismus?
Vielleicht liegt es auch an der politisch-kulturellen Tradition, die dieses Land seit Jahrhunderten in einem Kräftegleichgewicht von DIVISA ET IMPERA (vgl. hierzu auch Bruce, James. s.o.) halten. Die reformatorisch - einigende Kräfte wie TewodrosII (
tewodros II) oder Menelik II (
menelik II) ungern an der Macht sahen. Die Mengistu Hailemariam und das DERG (
mengistu haile mariam,
de.wikipedia.Derg.Äthiopien) durch verschiedene Wege und Mittel überlebten, und die heute, anstatt hoch zu Ross "hoch zu ToyotaMercedesNissan" im Land regieren?
Dieses Land, das ich in der Zwischenzeit, wie auch die Stadt Addis Abeba mit all ihren Widersprüchen, sehr gerne habe, hat mich vor allem eines gelehrt: Es gibt keine eindeutigen Antworten, es gibt keine eindeutigen Aussagen, es gibt kein Rezept, das irgendwelche Probleme löst.
Ich muss mit den Widersprüchen in mir und der Welt zurechtkommen.
Das gelernt zu haben, ist für mich schon viel und hat mir auch mehr Gelassenheit gegeben.
Außerdem denke ich, dass alle, die in die Fremde ziehen wollen, um die Welt "zu retten" sich vor allem fragen müssen: WOLLEN DIE, DIE WIR RETTEN WOLLEN, DENN ÜBERHAUPT, SO WIE WIR DAS WOLLEN, GERETTET WERDEN?
moyo, dambisa dead aid
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| Ältere Dame, Laefto |
Oder sind wir nicht einfach nur Gäste in einem Land und sollten uns auch als solche benehmen?

Nur am Rande: etv, das äthiopische staatliche Fernsehprogramm überträgt gerade live aus der Millenium Hall eine Veranstaltung, wohl zum "World Aids Tag", bei der soeben "His Excellency, the former President of the United States of America, George W. Bush" zusammen mit Meles Zenawi (
meles zenawi) für "excellent leadership" eine Auszeichnung erhielt ... Wo bitte, ist da der Zusammenhang?? ... es lebe die oben erwähnte Leichtgläubigkeit, Dummheit und Selbstbeweihräucherung ...
ethiopian television/
www.ebstv.tv ... der Mächtigen und derer, die solche zu sein meinen ... da fällt mir dann immer mal das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr ein (
Markus 10,25).
Gestern war der 10.12.2011. Und, am 10. Dezember ist ja nun jedes Jahr der human rights day. In Anbetracht der Situation, die mich in dem Land, in dem ich aktuell lebe, möchte ich diesen Tag mit ein paar Bildern kommentieren.
Diese Photos sind leider keine Ausnahme. Nein, sondern Alltäglichkeiten.